Warum ich nach 30 Jahren Vegetarismus am Veganismus scheitere – und was ich daraus lerne
Seit 30 Jahren vegetarisch, aber vegan? Das fällt mir schwer. Warum – und was ich daraus lerne. 💚✨
Seit über 30 Jahren lebe ich vegetarisch – eine Entscheidung, die ich nie bereut habe. Fleisch zu essen war für mich schon früh keine Option mehr, und es fiel mir leicht, darauf zu verzichten. Doch obwohl ich mich immer wieder mit dem Thema Veganismus beschäftige und genau weiß, dass es die konsequentere Wahl wäre, scheitere ich daran, mich komplett vegan zu ernähren. Warum ist das so? Und was kann ich daraus lernen?
Der Wille ist da – aber die Umsetzung ist schwer
Ich bin absolut überzeugt davon, dass eine vegane Ernährung ethisch sinnvoller ist. Schließlich esse ich seit Jahrzehnten kein Fleisch, weil ich Tiere nicht für mein Essen leiden lassen möchte. Warum sollte ich dann Milchprodukte oder Eier konsumieren, deren Produktion oft genauso grausam ist? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Trotzdem greife ich immer wieder zu Käse, Joghurt oder einem Stück Schokolade mit Milch.
Es gibt mehrere Gründe dafür. Manche sind banal, andere tief verwurzelt:
- Gewohnheit: Ich habe so viele Rezepte und Routinen, die vegetarisch, aber nicht vegan sind. Einfach mal eben ein Käsebrot machen – das geht schnell und schmeckt. Eine neue Esskultur zu entwickeln, braucht viel mehr Umstellung, als ich dachte.
- Bequemlichkeit: Unterwegs vegane Alternativen zu finden, ist einfacher geworden, aber nicht immer selbstverständlich. Vegetarisch geht fast überall, aber vegan? Da muss ich oft länger suchen oder Kompromisse machen.
- Soziale Aspekte: In Gesellschaft ist es für mich schwieriger, vegan zu sein. Ich möchte nicht immer die Person sein, die das Essen kompliziert macht, besonders bei Einladungen oder in Restaurants.
- Käse!: Das Klischee ist wahr – Käse ist meine größte Schwachstelle. Ich habe vegane Alternativen probiert, aber der Geschmack und die Konsistenz sind für mich einfach nicht dasselbe.
Ist das ein Scheitern – oder ein Lernprozess?
Früher habe ich gedacht: Entweder du bist vegan, oder du bist es nicht. Aber das setzt mich nur unter Druck und führt dazu, dass ich mich schlecht fühle, wenn ich es nicht schaffe. Stattdessen versuche ich, den Prozess als Reise zu sehen. Ich habe in den letzten Jahren meine Ernährung weiter verändert – trinke keine Kuhmilch mehr, ersetze Joghurt oft durch pflanzliche Alternativen und achte bewusster darauf, woher meine Lebensmittel kommen.
Vielleicht ist es okay, wenn ich diesen Weg in meinem Tempo gehe. Jeder Schritt zählt. Und vielleicht ist der Punkt, an dem ich völlig vegan lebe, näher, als ich denke.
Mein Fazit: Kleine Veränderungen sind besser als Perfektion
Ich scheitere am Veganismus – aber ich gebe nicht auf. Ich glaube daran, dass jede Entscheidung zählt, auch wenn sie nicht immer perfekt ist. Anstatt mich dafür zu verurteilen, nicht „vegan genug“ zu sein, konzentriere ich mich darauf, weiter bewusste Entscheidungen zu treffen.
Wer weiß? Vielleicht werde ich in ein paar Jahren doch sagen können: „Jetzt bin ich wirklich vegan.“ Bis dahin bin ich auf dem Weg – und das ist auch schon viel wert.
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