Nachhaltiger tätowieren – Geht das überhaupt?

Tattoos sind Kunst für die Ewigkeit, doch oft mit viel Einwegplastik verbunden. Dieser Artikel beleuchtet, wie viel Abfall beim Tätowieren entsteht, welche nachhaltigen Alternativen es gibt und wie Studios sowie Kund*innen umweltfreundlichere Entscheidungen treffen können. 🌱💉

Autor: Sonja Bart

Ich liebe Tattoos. Mein Körper ist mittlerweile mit einigen Kunstwerken verziert, und jeder Termin im Tattoo-Studio ist für mich etwas Besonderes. Doch bei meinem letzten Besuch fiel mir etwas auf: Meine Tätowiererin verwendete eine grüne Folie zum Abdecken der frischen Tätowierung. Das hatte ich so noch nie gesehen, also fragte ich nach.

Sie erklärte mir, dass sie schon lange unzufrieden mit der großen Menge an Müll ist, die beim Tätowieren anfällt – vor allem Plastikabfälle. Deshalb probiert sie verschiedene nachhaltigere Alternativen aus. Trotzdem sei das Thema in der Branche noch lange nicht ausgereift. Das hat mich neugierig gemacht. Wie viel Abfall entsteht eigentlich bei einer einzigen Tattoo-Session? Und gibt es wirklich praktikable Lösungen, um das Tätowieren nachhaltiger zu gestalten?

Wie viel Abfall entsteht beim Tätowieren?

Hygiene hat im Tattoo-Bereich oberste Priorität. Alles, was mit der Haut in Berührung kommt, muss steril sein, um Infektionen zu vermeiden. Deshalb werden viele Einwegprodukte verwendet, die nach einer Sitzung direkt entsorgt werden. Dazu gehören:

  • Einwegnadeln und Kartuschen aus Metall oder Kunststoff
  • Plastikfarbkappen für die Tattoo-Tinte
  • Nitril- oder Latexhandschuhe
  • Einwegrasierer zur Haarentfernung
  • Frischhaltefolie und/oder Schutzabdeckungen für Möbel und Maschinen
  • Papiertücher
  • Wundverbände oder Tattoofolie

Laut Schätzungen entstehen schon beim Tätowieren eines kleinen Tattoos mindestens 100 Gramm Abfall – größere Projekte produzieren entsprechend mehr. Das meiste davon ist Plastik, das nicht recycelt wird, sondern im Restmüll landet. Hochgerechnet auf ein ganzes Jahr und die Vielzahl an Studios weltweit, kommt eine beachtliche Menge an Abfall zusammen.

Gibt es nachhaltige Alternativen?

Meine Tätowiererin meinte, dass sich in den letzten Jahren einiges getan hat. Es gibt zum Beispiel mittlerweile kompostierbare Farbkappen und nachhaltige Abdeckungen, die Plastikfolien ersetzen können. Allerdings ist hier nach ihrer Aussage noch Luft nach oben. Abbaubare Gassi-Tüten für Hundehalter halt leider mehr aus als die abbaubaren Abdeckungen. Hier muss definitiv für die Branche noch nachgebessert werden. Auch bei den Tattoo-Farben gibt es Fortschritte: Viele Hersteller bieten mittlerweile vegane Farben an, die ohne Mikroplastik und schädliche Chemikalien auskommen.

Einige Studios setzen sogar auf wiederverwendbare Metallnadeln, die sterilisiert werden können, anstatt nach einmaligem Gebrauch entsorgt zu werden. Auch größere Farbbehälter anstelle vieler kleiner Kappen oder nachhaltige Verpackungen für Pflegeprodukte sind einfache Maßnahmen, die helfen, Müll zu reduzieren.

Trotz dieser Möglichkeiten nutzen bisher nur wenige Studios konsequent nachhaltige Alternativen. Viele Produkte sind teurer als ihre herkömmlichen Pendants, und einige Tätowierende sind unsicher, ob sie dieselbe Qualität und Hygiene bieten können.

Hygiene und Umweltbewusstsein – Ein Widerspruch?

Natürlich darf Nachhaltigkeit nicht auf Kosten der Hygiene gehen. Infektionen und unsaubere Arbeitsbedingungen sind keine Option. Dennoch zeigen einige Studios bereits, dass es möglich ist, beides zu kombinieren.

Indem Materialien bewusster eingesetzt und umweltfreundliche Alternativen getestet werden, lässt sich der Müll zumindest reduzieren. Recycelbare Verpackungen, nachhaltige Tattoo-Pflegeprodukte und Kooperationen mit umweltfreundlichen Lieferanten sind weitere Schritte in die richtige Richtung. Und auch wir als Kund*innen können etwas tun, indem wir Studios gezielt nach nachhaltigen Optionen fragen – denn je größer die Nachfrage, desto eher werden sich Veränderungen durchsetzen.

Fazit: Tattoos mit weniger Müll sind möglich

Mein letzter Tattoo-Termin hat mir gezeigt, dass sich in der Branche langsam etwas bewegt. Es gibt bereits umweltfreundlichere Alternativen, doch viele Studios haben sie noch nicht vollständig integriert. Dabei wäre es mit kleinen Anpassungen möglich, den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern – ohne Kompromisse bei der Qualität oder Hygiene einzugehen.

Für mich steht fest: Beim nächsten Termin werde ich gezielt nach nachhaltigen Produkten fragen. Denn wenn wir als Kund*innen bewusstere Entscheidungen treffen, setzen wir ein Zeichen dafür, dass sich nachhaltiges Tätowieren weiterentwickeln sollte.

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